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Alhambra-Edikt - Ausweisung der Juden aus Spanien

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1492 war nicht nur das Jahr in dem die Katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon die Reconquista durch die Rückeroberung der letzten Maurenfestung auf spanischen Boden beendete und Christoph Kolumbus auf Entdeckungsfahrt geschickt wurde, sondern auch das Jahr, in dem die beiden katholischen Könige durch ein Vertreibungsdekret, dem Alhambra-Edikt, die Juden aus allen Territorien der spanischen Krone vertrieben. Wer bis zum 31. Juli 1492 nicht zum Christentum übertreten war, musste Spanien verlassen. Der Alhambra-Erlass selbst wurde am 31. März 1492 unterschrieben, damit hatten die spanischen Juden vier Monate Zeit eine Entscheidung zu treffen und wenn sie nicht konvertieren wollten, ihr Hab und Gut zu verkaufen und das Land zu verlassen.

Damit vertrieben Königin Isabella und König Ferdinand eine Bevölkerungsgruppe aufgrund ihres Glaubens, obwohl diese bereits seit Jahrhunderten auf der Iberischen Halbinsel ansässig und zudem gut integriert war.

Konvertierung zum christlichen Glauben

Das Alhambra-Edikt führte zu einer Welle von Konvertierungen zum christlichen Glauben. Allerdings standen diese neuen Christen im Generalverdacht der Inquisition. Eine Unterscheidung zwischen neuen Christen, die nach der Zwangstaufe stets im verdacht stand im Geheimen weiter ihrer alten Religion, dem Judentum anzugehören und den guten alten Christen. Neue Christen standen mussten stets ihre rechte christliche Gesinnung beweisen, schafften sie es nicht die Inquisitoren (geschaffen bereits 1472) überzeugen, wurden sie verurteilt und starben bei autodafés, wie die Verbrennung von Menschen hieß.

Das Vertreibungsdekret führte zu einer tiefen Spaltung der spanischen Gesellschaft.

Und der Alhambra Edikt überstand die Jahrhunderte, fast 500 Jahre wurde er alt, ehe er 1968 noch zu Zeit der Franco-Diktatur in Spanien von der spanischen Regierung für unwirksam erklärt wurde. Erst am 1. April 1992 wurde der Alhambra-Edikt dann auch offiziell vom spanischen König Juan Carlos I. außer Kraft gesetzt wurde. Bereits 1876 war das Niederlassungsverbot für Juden in Spanien aufgehoben worden. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts siedeln sich dann wieder Juden in Spanien an.

1992, zum 500. Jahrestag des Alhambra-Edikts wurde vom spanischen Parlament ein Kooperationsabkommen mit dem Verband der jüdischen Gemeinden in Spanien verabschiedet. Das Abkommen regelt die Beziehung zwischen dem spanischen Staat und den Bürger jüdischer Konfession.

Wie viele Juden in Folge des Alhambra-Edikts Spanien verlassen mussten, ist strittig. Die angaben reichen von 130.000 bis über 300.000 Vertriebene. Noch schwieriger lässt sich schätzen, wie viele Juden der Zwangsvertreibung zu entgehen versuchten, in dem sich zum Christentum übertraten.

Vertreibung der Juden aus Portugal

Viele Juden flüchteten ins benachbarte Portugal. Hier wurden sie zunächst mit offenen Armen empfangen, denn der dortige König Johann II. war auch an hohen Steuern interessiert. Die Heiratspolitik des portugiesischen Königshauses führte dann aber nach dem Tod Johanns im Jahre 1495 zu einem Politikwandel gegenüber den in Portugal lebenden Juden. Da der neue König Manuel I. um die Hand der spanischen Infantin anhielt und das spanische Königshaus in den Verhandlungen die 1496 die Vertreibung der Juden aus Portugal zur Bedingung machte, musste König Manuel handeln. Dieser griff zur Zwangskonversion, denn auf die Handwerker, Kaufleute, Bankiers und Diplomaten, die aus Spanien nach Portugal geflohen waren, wollte er nicht mehr verzichten. Betroffen waren wohl 60.000 Juden, die aus Spanien nach Portugal geflohen waren und die bereits im Land lebenden. König Manuel heiratete Elisabeth, die Tochter der katholischen Könige 1497. Und auch die getauften Juden hatten in Portugal keine Ruhe. 1504 und 1506 kam es in Lissabon zu anti-jüdischen Pogromen auch gegen diese no genannten Neuen Christen (portugiesisch Cristãos-Novos).


Sultan Bayezid empfängt die Vertriebenen

Andere der spanischen Juden, Sepharden, zerstreuten sich nach Nordafrika, Ägypten, in die Levante und nach Griechenland. Der osmanische Sultan Bayezid II. empfing die Sepharden mit offenen Armen. Die aus Spanien geflohenen ebenso wie die Juden, die später aus Portugal flüchteten. Ohne Bedingungen zu stellen. Über das Vertreibungsdekret soll sich Bayezid wie folgt geäußert haben: Wie töricht sind die spanischen Könige, dass sie ihre besten Bürger ausweisen und ihren ärgsten Feinden überlassen.

Schutz im Kirchenstaat

Andere fanden Schutz im Kirchenstaat, denn der dortige Papst, der Spanier Alexander VI. unterstellte die Juden dem Schutz der Kirche. Den Protest der „allerkatholischsten" spanischen Könige (Los Reyes Católicos) Isabella I. und Ferdinand II. beantwortete er damit, dass er den Juden seinen Schutz versprochen habe, und blieb bei seinem Entschluss.

Aber auch nach Amsterdam und Hamburg gelangten kleinere Gruppen der vertriebenen spanischen Juden.

Folgen Alhambra-Edikt

Ökonomisch war das Alhambra-Edikt verheerend für Spanien. Zum einen mussten die vor der Vertreibung stehenden Juden ihr Hab und Gut verkaufen, dadurch wurde der Markt überschwemmt. Die Preise fielen auch im Immobiliensektor. Ganze Sektoren im Wirtschaftsleben, die zuvor fest im hand der spanischen Juden waren, waren plötzlich verweist. Das bekam insbesondere der Kapitalmarkt zu spüren. Ganz heftig erwischte es den Staat selbst, denn nicht nur der oberste Steuereinnehmer, Abraham Senior, war vom dem Alhambra-Edikt betroffen gewesen. Da Christen der Geldverleih verboten war, fehlte Kapital. Ärzte und Handwerker waren vertrieben worden. Kompensiert werden konnte zumindest die wirtschaftlichen Schäden durch das Gold aus Südamerika, das bald nach Spanien floss. Während sich in anderen europäischen Ländern allerdings eine Mittelschicht bildete, blieb es in Spanien bei Oberschicht und Unterschicht.

Ebenso verheerend war die Verreibung für Kultur und Wissenschaft. Viele Universitäten hatten Probleme die Lehrer zu ersetzen. Positiv war die Verbreitung der Kabbalah durch die Vertreibung im Mittelmeerraum.

Und sozial war der Erlass der Katholische Könige ein absoluter Flop. Eigentlich sollte das Land nur noch von christlichen Spaniern besiedelt sein, stattdessen teilte sich die Bevölkerung nun in gute alte Christen und die unter Generalverdacht stehenden neue Christen auf. Spitzel waren Helfershelfer der Inquisitoren, die spanische Gesellschaft war geteilt. Jeder beobachtete Jeden. Jeder hatte gute Chancen, neue Christen allerdings bessere, vor dem Gericht der Inquisition zu landen. Und Ämter sowie leitende Stellungen in der Armee waren neuen Christen verwehrt. Wer sich hier bewarb, musste den Nachweis erbringen, dass seine Vorfahren bis ins zweite Glied keine Neuchristen waren. Die Spaltung führte zu Misstrauen zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen.

Die Vertreibung der Morisken 1609 führte allerdings nicht zu einer weiteren oder vertiefenden Spaltung. Während die neuen Christen, die Marranen, wie die zum Christentum konvertierten Juden genannt wurden, wie die alten Christen aussahen und daher jeder jeden misstraute, waren die Morisken, die konvertierten Mauren schon immer an ihrem Aussehen zu erkennen gewesen. Zudem wurden ja Konvertierte also eigentlich neue Christen aus dem Land verwiesen, denn durch die durchgeführten Zwangsbekehrungen gab es längst keine Anhänger Mohameds in Spanien.

Das Alhambra-Edikt gilt als Ursprung für einen latenten Rassismus in Spanien. Und für eine Spaltung der Gesellschaft. Zwei Spanien, las dos Españas, wie auch Francisco Franco das Spanien des Bürgerkriegs bezeichnete.


Konzil von Toledo

Knapp 800 Jahre bevor die spanischen Juden durch das Alhambra-Edikt aus ihrer Heimat vertrieben wurden, tagte im Jahre 694 das 17. Konzil von Toledo, einberufen von König Egica. Bereits auf den vorigen Konzilen waren scharfe Maßnahmen gegen die Juden beschlossen worden, wie eine spezielle Judensteuer. Auf dem 17. Konzil von Toledo wurden die vorherigen Beschlüsse noch verschärft. Juden sollten enteigneten und versklavt werden, die Kinder weggenommen und christlich erzogen. Vorwand für diese Verschärfung war die Behauptung, die spanischen Juden hätten im Zusammenwirken mit ausländischen Glaubensgenossen eine Verschwörung gegen das Reich unternommen. Damit war wohl gemeint, dass sie die Muslime zu einem Angriff ermunterten.



Siehe auch:
Reconquista | Mudejares | Mezquita | Muladies | Mozaraber | Spanische Ritterorden
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