Guanchen und Altkanarier, Geschichte der Kanarischen Inseln. travelchannel - tested for happiness

Geschichte der Kanaren: Die Guanchen / Altkanarier

Zeittafel, Guanchen, Eroberung durch Spanien

Die Bezeichnung Guanchen hat sich für alle Ureinwohner der Kanaren durchgesetzt. Richtiger wäre die Bezeichnung Altkanarier als Sammelbegriff. Eigentlich bezeichnet Guanche einen Menschen/Mann aus Teneriffa. Das Wort Guanche setzt sich zusammen aus Guan Mensch sowie Che weißer Berg. Mit dem weißen Berg ist der schneebedeckte Pico de Teide auf Teneriffa gemeint.

Auf El Hierro nannten sich die Altkanarier Bimbaches.

Die Spanier berichteten, dass die Guanchen groß, kräftig, blauäugig und blond gewesen sein sollen. Die Männer sollen im Durchschnitt etwa 1,70 Meter große gewesen sein, die Frauen 1,57 Meter. Damit sind die Guanchen zehn Zentimeter größer gewesen sein, als die spanischen Eroberer im 15. Jahrhundert.


Die genaue Herkunft der Guanchen ist nicht bekannt. Die Theorien reichen von entflohenen römischen Sklaven, Überlebenden des geheimnisvollen Inselkontinents Atlantis, Schiffsbrüchige von phönizischen Handelsexpeditionen bis zu Berbern aus Nordafrika, die die Kanaren zwischen 500 und 200 vor Christi erreicht haben sollen. Als Favorit für die Urväter der Guanchen gelten das hellhäutige Volk der Berber aus Afrika. Es gibt aber auch Hinwiese auf eine weitere Besiedlung aus Euroa.

Von der Kunstfertigkeit der Guanchen zeugen zahlreiche Höhenmalereien. Auf Gran Canaria beispielsweise ist die Cueva Pintada bei Gáldar mit beeindruckenden roten, weißen und schwarzen Mustern bemalt. Die Kultur der Altkanarier war zwangsweise steinzeitlich, da entsprechende Erze auf den Inseln nicht vorkamen, um den Übergang in die nächste Kulturstufe zu vollziehen.

Gewohnt haben die Guanchen in natürlichen Höhen aber auch in Grotten, die aus dem Fels gehauen wurden. Die Höhlen dienten auch als Vorratslager sowie als Kult- und Grabstätten. Geschmückt wurden die Höhlen durch Felsgravuren. Als Wohnstätte dienten aber auch primitive niedrige Steinhütten. Solche Hütten wurden im ethnografischen Themenpark von Mundo Aborigens auf Gran Canaria rekonstruiert.

Die Zahl der Guanchen auf den Kanaren vor der Eroberung durch die Spanier im 15. Jahrhundert wird auf 50 bis 70 Tausend geschätzt.

Mit Fellen, Milch und Fleisch versorgten sich die Guanchen durch die Haltung von Ziegen und Schafen, den einzigen Tieren, die im gebirgigen Gelände der Kanaren Futter finden konnten. Untereinander bekämpften sich die Schäfer bei der Sicherung der besseren Weidegründe. Bei einer Bedrohung von außen, hielten sie aber zusammen. Sie betrieben Viehzucht und Ackerbau. Um Gerste, Weizen sowie Hülsenfrüchte anzubauen, legten sie riesige Terrassentreppen an und bewässerten diese. Die Metallverarbeitung war den Guanchen unbekannt. Als Waffen benutzten sie Wurfspeere aus Holz. Auch die Töpferei war bekannt, allerdings nicht die sich drehende Töpferscheibe. Auch kannten die Guanchen das Rad nicht. Die Sprache aller Guanchen war das Guanche und war gleichen Ursprungs. Allerdings gab es von Insel zu Insel verschiedene Mundarten. Es gibt auch Hinweise, dass die Guanchen eine der libysch-berberischen verwandten Schrift benutzten. Auf den Kanaren findet man zahlreiche Petroglyphen der Guanchen. Bei Petroglyphen handelt es sich um in Stein geritzte bildliche und grafische Darstellungen, einer Art Symbolsprache. Aus dem Guanche sind nur noch wenige Wörter bekannt. Die Sprache starb mit der Eroberung praktisch aus. Allerdings sind viele Ortsbezeichnungen auf den Kanaren guanischen Ursprungs. Nur El Silbo (der Pfiff), die Pfeifsprache der Guanchen ist auf der Insel La Gomera erhalten geblieben und wird auch heute noch genutzt. Um dieses kulturelle Erbe zu bewahren, wird El Silbo in den Schulen auf La Gomera auch unterrichtet.

Die Leichen der Stammesältesten wurden mumifiziert. An einigen Schädeln fand man deutliche Anzeichen einer Trepanation, einem operativen Öffnens des Schädels. Damit müssen die Guanchen über ein gewisses medizinisches Wissen verfügt haben.

Die Guanchen organisierten sich in Stämmen unter der Führung eines Königs. In den Adelsstand kam man nicht durch Geburt, sondern durch besondere Verdienste.

Mit der Eroberung der Kanarischen Inseln durch Spanien ging die Kultur der Altkanarier erstaunlich schnell unter. Nur wenige leisteten Widerstand. Offenbar wollten die Altkanarier die moderne Zivilisation annehmen und vergaßen darüber ihre kulturellen Wurzeln. Lange Zeit nahm man an, dass die Guanchen mehr oder weniger ausgestorben sind, mit Hilfe moderner Untersuchungsmethoden wurde aber festgestellt, dass etwa 40 Prozent der einheimischen Bevölkerung auf den kanarischen Inseln Vorfahren unter den Altkanariern haben.

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