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Alexander von Humboldt auf Teneriffa

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Offenbar benötigte man auf Teneriffa die Erlaubnis des Gouverneurs, um in Sainte-Croix an Land gehen zu können. Von Humboldt nutzte die Mußezeit, um die geographische Lage des Hafens genau zu bestimmen.

Als die Erlaubnis endlich kam, ging der Forscher von Bord. In Sainte-Croix wurde fast erstickt von der Hitze, wie er schrieb, nach den Tagen auf See, kamen ihm die 25 Grad wohl reichlich warm vor.

Santa Cruz de Teneriffa, das Anaza der Guanen (Guanchen) beschreibt von Humboldt als ziemlich schöne Stadt. 1799 hatte die Stadt achttausend Einwohner (heute über 220.000). An anderer Stelle schreibt von Humboldt auch von 9000 Einwohnern, davon alleine 400 Mönche, die in sechs verschiedenen Klöstern lebten. Anderen Reisenden zu Folge soll die Hälfte der Bevölkerung die Kutte getragen haben.

Auch Candelaria, einen bedeutenden Wallfahrtsort auf Teneriffa besuchte man, ohne dass sich eine längere Beschreibung dieses Ortes finden lässt. Der Hafen von Santa Cruz selbst beschreibt von Humboldt als eine große Havannenherberge auf dem Wege zwischen Amerika und Ostindien beschreibt.

Auf Teneriffa nutzten Alexander von Humboldt und sein Begleiter die Empfehlungen des Madrider Hofs, und so fand er, wie auch später auf seiner Reise durch die spanischen Besitzungen befriedigende Aufnahme. Und sogleich erhielten die beiden Forscher auch die Erlaubnis, die Insel zu durchreisen.

Ganz Naturforscher liefert von Humboldt eine Beschreibung der kanarischen Bananen, die von spanischen Kolonisten auch als Guineos, Camburi oder Dominicos bezeichnet werden. Bananen, die ab und an auch in Cadiz angeboten werden. Ein erster botanischer Ausflug nach dem Fort von Passo Alto wurde noch am gleichen Abend unternommen.

Einerseits hatte der Kapitän des Schiffs den Befehl, sich so lange auf Teneriffa aufzuhalten, dass Alexander von Humboldt den Gipfel des Piks besteigen könnte, wenn der Schnee es erlaube. Andererseits wurde der Forscher aber gebeten, wegen der englischen Blockade den Aufenthalt auf vier bis fünf Tage zu beschränken. Daher reiste man recht zügig in Richtung Orotava ab, am westlichen Abhang des Vulkans, um einen Führer zu finden. Allerdings fand man hier keinen, was von Humboldt allerdings nicht sonderlich verwunderte, schließlich kenne er Bewohner der Stadt Schaffhausen in der Schweiz, die den Rheinfall noch nie aus der Nähe gesehen hatten.

Aufstieg Pico del Teide

Am 20. Juni zu Sonnenaufgang machten sich Humboldt und sein Begleiter Bonpland auf den Weg in Richtung Laguna. Und begegneten auf ihren Wegen Kamelen, die als Lasttiere Verwendung fanden. Allerdings gäbe es auf Teneriffa weniger Kamele, auf den Nachbarinseln Lanzerote und Fuerteventura würden diese zu Tausenden leben, schließlich seien die beiden Inseln näher an Afrika gelegen und das Klima und die Vegetation dem afrikanischen Kontinent ähnlicher. Offenbar, so berichtete jedenfalls Alexander von Humboldt, waren die Kamele auf Teneriffa nicht sehr Fortpflanzungsfreudig. Auf die Kanaren kamen die Kamele erst mit der Eroberung der Inseln, die Guanchen kannten sie nicht. Humboldts kleine Expedition nutzte selbst aber Maultiere, die im vulkanischen Gebirge so ihre Probleme mit dem sichern Tritt hatten.

Je weiter die Gruppe in Richtung San Cristobal de Laguna kam, desto kühler wurde es (La Laguna liegt auf 546 Meter Höhe), was von den Teilnehmern als durchaus angenehm empfunden wurde nach der stickig warmen Luft von Santa Cruz. In umgekehrter Richtung war es dann wohl so, als wenn man sich der Öffnung eines Schmelzofens näherte. Eine Empfindung, die von Humboldt später in Caracas wieder haben sollte, als er vom Berg Avila in den Seehafen von Guayra hinab stieg. Dem Gesetz der Wärme-Abnahme nach, so Humboldt, sollte es in La Laguna drei bis vier Grad kühler sein, als am Meer. Von Humboldt beschreibt Laguna als ehemals reiche Stadt, die nach der Zerstörung des Hafen von Garachico durch einen Vulkanausbruch allerdings im Niedergang begriffen war.

Um La Laguna beobachtete von Humboldt eine Reihe von Windmühlen und berichtet auch vom gerösteten Gerstenmehl (Gofio) und der Ziegenmilch, die bereits zur Zeit der Guanchen Hauptnahrungsmittel gewesen seien. Damit sah von Humboldt es als bewiesen an, dass die Guanchen zu den Völkern des alten Kontinents gehörten, vielleicht zu der kaukasischen Rasse und nicht zu den Atlanten, zu den Bewohnern der neuen Welt, denn diese kannten vor der Ankunft der Europäer weder Getreide, noch Milch, noch Käse.

Um Laguna gab es eine große Anzahl von Kapellen, die von den Spaniern Ermitas genannt wurden.

Dann berichtet von Humboldt, dass Her Anderson, ein Naturalist, der Kapitän Cook auf seiner dritten Reise begleitet hatte (James Cook unternahm seine dritte Südseereise 1776 bis 1780, beendete diese aber nicht, da er 1779 von Eingeborenen erschlagen wurde), den europäischen Ärzten raten würde, ihre Kranken auf die Insel Teneriffa zu schicken, wegen dem außerordentlichen milden und gleichförmigen Klima der Kanaren.



Lob für Teneriffa

Von Humboldt lobt Teneriffa in den höchsten Tönen: Kein Aufenthalt schien im geeigneter, die Schwermut zu verscheuchen und ein schmerzhaft ergriffenen Gemüt seinen Frieden wieder zu geben, als der von Teneriffa und von Madera (wohl Madeira). Auf Teneriffa wirke nicht nur die schöne Lage und Reinheit der Luft; hinzu käme noch die Abwesenheit der Sklaverei, deren Anblick in beiden Indien und überall so empörend ist.

Als nächstes macht sich Alexander von Humboldt Gedanken über die Schneefallgrenze auf Teneriffa. Bislang habe noch niemand die geringste Höhe bestimmt, bei der Schneefall zu beobachten ist. Nicht nur für die Meteorologie wäre diese Grenze interessant, auch für die Ackerbau betreibenden Kolonisten. Und auch die unterste Grenze des ewigen Schnees interessierten den vielseitig begabten Naturforscher und so stellte er eine Tabelle auf, in der er nördliche Breite, geringste Schneefallhöhe und die untere Grenze des ewigen Schnees in Bezug bringt. Von Teneriffa hörte Humboldt eine Geschichte, dass bei La Laguna vor einigen Jahren Schnee fiel. Den Pflanzen soll dies nichts ausgemacht haben, dafür starben alle Schweine, die sich zu diesem Zeitpunkt im Freien befanden. Pflanzen seien wohl sehr widerstandsfähig gegen Kälte.

Als nächstes steht dann ein Vergleich an. Von Humboldt steigt in das Tal von Tacoronte hinab, ein herrliches Land, er habe nichts schöneres (er schreibt majestätischer) gefunden, weder am Ufer des Orinoco, noch in den Cordilleren von Peru, noch nachdem er die schönsten Täler Mexikos durchwandert habe.

Nach dem sich Humboldt über Vulkane auslässt berichtet er von den beiden Dörfern Matanza und Victoria durch die er auf Teneriffa zieht, Ortsnamen, die auch in den Kolonien anzutreffen sind, die Übersetzung Schlachtbank bzw. Blutbad für Matanza oder Sieg für Victoria würde im heftigen Kontrast zu Ruhe und Frieden stehen, die man hier finde. In der neuen Welt wurden so Orte bezeichnet, berichtet er, wo die Eingeborenen Niederlagen hinnehmen mussten, auf Teneriffa wurde der Ort Matanza (das alte Acantajo, heute La Matanza de Acentejo, eine Gemeinde an der Nordküste Teneriffas) an der Stelle gegründet, wo die Spanier von den selben Guanchen besiegt wurden, die wenig später auf den Sklavenmärkten Europas verkauft wurden. Bei Victoria handelt sich um La Victoria de Acentejo im Südwesten.

Anmerkung:
1494 verloren die Spanier bei La Matanza de Acentejo eine Schlacht gegen die einheimischen Guanchen. Daher wurde der Ort La Matanza (das Gemetzel) genannt. Zwei Jahre später gelingt es den Spaniern die Guanchen an der Stelle des heutigen La Victoria de Acentejo (Sieg von Acentejo) endgültig zu schlagen.

Kurz danach macht Humboldt die Bekanntschaft des französischen Vizekonsul Le Gros, der schon die Antillen bereist hat. Dieser hatte den Teide bereits mehrfach bestiegen, und wurde zu einem wichtigen Wegweiser für die Expedition. Herr Le Gros war wohl auch der erste gewesen, der genaue Notizen über den Vulkanausbruch vom 8. Juni 1798 verfasst hatte.

Die Begegnung mit Herrn Le Gros nutzt Alexander von Humboldt um auf den Botanischen Garten von Teneriffa hinzuweisen, der bereits 1788 gegründet wurde, bzw. dessen Außenstelle in La Orotava, dem Jardin de aclimatacion de La Orotava, der 1795 angelegt wurde. Einige Pflanzen aus dieser Zeit existieren noch heute. Der Botanische Garten, in Santa Cruz de Teneriffa, diente dazu tropische Pflanzen zu akklimatisieren, bevor diese nach Europa gebracht wurden. Ein glücklicher Gedanke, wie von Humboldt bemerkt, um nützliche Pflanzen nach Europa einzuführen. Im Botanico war Alexander von Humboldt im Rahmen seiner Teneriffa-Expedition am 20. Juni 1799.

Die Reise geht weiter nach La Orotava (Puerto de la Cruz), wo Humboldt die Bekanntschaft von Don Bernardo Cologan machte, einem Freund der Wissenschaft. Von Don Bernardo Cologan zeigte sich von Humboldt einigermaßen beeindruckt.

Anmerkung:
Bernardo Cologan Fallon, geboren 1772 in Puerto de La Orotava, gestorben 1814, hatte unter anderem in Paris, England und den Niederlande gelebt und studiert. 1794 kehrt er nach Teneriffa zurück.

Am 21. Juni begann dann der Aufstieg in Richtung Gipfel. Von Humboldt wurde auch von Herrn Le Gros begleitet. Zu Beginn des Aufstiegs in Richtung Gipfel des Piks, war dieser nicht sichtbar, sondern von dichten Wolken verdeckt.

Unter anderem berichtet Alexander von Humboldt von einer Bergstation, der Estancia de los Ingleses (Halt der Engländer), offenbar war der Pik bevorzugt von Engländern besucht worden. Hier übernachtete die Expedition, Mitten im Sommer und unter dem schönen Himmel Afrikas, fror man in der Nacht bei nur 5 Grad Celsius. Gegen drei Uhr am Morgen ging es beim Fackelschein dann weiter. Nach zwei Stunden gelangte man auf eine kleine Ebene, die wegen ihrer isolierten Lage Alta Vista genannt wurde, hier soll es eine Station der Neveros gegeben haben, Eingeborene holten hier Eis und Schnee, um sie in den benachbarten Städten zu verkaufen. Dahinter begann das Malpays (schlechte Land). Hier machte man einen kleinen Abstecher, um eine Eishöhle (Cueva del Hielo) auf 1728 Toisen zu untersuchen, an der Grenze zum ewigen Schnee. Hier in der Nähe der Eishöhlen haben die Herren Lamanon und Mongès ihren Versuch über die Temperatur des siedenden Wassers angestellt, das bei dieser Höhe bzw. Luftdruck bereits bei 88,7 Grad zu kochen begonnen hat.

Als die Gruppe die Eishöhle verlässt, bricht der Tag an. Man macht sich auf den Weg durch das Malpays und beobachtet dabei ein sonderbares optisches Phänomen im Osten, das man sich wohl kaum erklären konnte.

Nun erlebte man aber den Sonnenaufgang.

Aufstieg und Beobachtungen Pico del Teide

Der Aufstieg des Pico del Teide, die Beobachtung der Vegetationszonen, die detaillierten Berichte über die Expedition auf Teneriffa war nur ein Vorgeschmack auf das, was Alexander von Humboldt und Aime Bonpland mehrfach in der Neuen Welt wiederholen werden.


Quelle für diese Biographie von Alexander von Humboldt

Reise in die aequinoctial-gegenden des neuen continents
Der Bericht ist eine Zusammenfassung des Buchs Reise in die aequinoctial-gegenden des neuen continents in den Jahren 1799 von Alexander von Humboldt, teilweise um Anmerkungen und Erklärungen angereichert, sofern sie seine Reise durch Spanien und auf den Kanaren betreffen. Allzu wissenschaftliche Beschreibungen wurden dabei allerdings auch ausgespart.




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