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Tartessos

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Tartessos (biblisch Tarsis, Tharsis, Tarschisch) war der klassischen Überlieferung nach ein Königreich (bzw. eine Hafenstadt) an der Südküste der iberischen Halbinsel im Gebiet des heutigen Andalusien. Tartessos soll an der Mündung des Flusses Guadalquivir westlich der Straße von Gibraltar (Säule des Herakles) am Atlantik gelegen haben und wird damit in der Nähe von Cadíz vermutet. Die Stadt wird von manchen Wissenschaftlern inzwischen unter Huelva vermutet. Tartessos war der griechischen Überlieferung nach die erste Zivilisation im Westen. Die Kultur von Tartessos soll von den Ägyptern und Phöniziern beeinflusst gewesen sein. Es gibt wohl auch archäologische Fundstücke in der vermuteten Gegend von Tartessos, die auf ein Königreich phönizischer Herkunft hindeuten.

Königreich Tartessos in der Antike

In der Antike war die Stadt Tartessos für ihren sagenhaften Metallreichtum bekannt. Vor allem Silber soll es im Überfluss gegeben haben. Der sagenhafte König Arganthonios (was so viel wie Silbermann bedeutet) von Tartessos soll, so berichtet es jedenfalls der griechische Geograph und Völkerkundler Herodot (490-425 v. Chr.), seinen Freunden, den von den Persern bedrohten Phokaiern neue Mauern für ihre Heimatstadt Phokäa (griechische Stdt in Kleinasien) geschenkt haben. Die Herrschaft von Aganthonios soll über 100 Jahre gedauert haben. Der König soll berühmt für seinen Reichtum, seine Weisheit und auch seine Großzügigkeit gewesen sein. Herodot ist die erste historische Quelle der Antike, die von Tartesso berichtet. Er datiert das Königtum von Aganthonios auf die Jahre 630 bis 580 v. Chr. Der römische Dichter Postumius Rufius Festus Avienus (4. Jahrhundert nach Chr.) berichtet in seinem Werk Ora maritima ebenfalls von Tartessos und bezieht sich in seinem Bericht auf eine unbenannte historische Quelle. In seinem Werk bezieht er sich offenbar auf eine Quelle aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. und einer entsprechenden Küstenbeschreibung von Tartessos.

Weitere Hinweise auf das Königreich Tartessos sollen sich unter anderem auch in der Bibel finden, so soll Königin Salomon Schiffe von Tarsis empfangen haben. Diese brachten Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen. Allerdings geht man inzwischen davon aus, dass es sich bei Tarsis nicht um Tartessos gehandelt hat, sondern um den Hafen von Agaba auf der Sinai-Halbinsel.

Der Prophet Jesaja berichtete vom bevorstehenden Untergang Tarsis.

Und der Prophet Jona soll ein Schiff nach Tarsis, Symbol für das Ende der Welt genommen haben, um sich vor seinen göttlichen Auftrag zu drücken.

Der Legende nach soll der mythologische König Gerión von Tartesso der Riese gewesen sein, dem Herakles die Ochsen rauben sollte. Einer anderen Deutung nach, war er der Riese, der von Herakles getötet wurde.

Plötzlich verschwindet Tartessos aus der Geschichte bzw. aus der Überlieferung. Möglich wäre, dass das Königreich von Karthago und den Phöniziern erobert wurde. Oder die Bodenschätze waren erschöpft, was zu einem Niedergang des Königreiches geführt haben könnte. Andere halten ein Erdbeben oder Tsunami für möglich. Auch gibt es ab dem frühen 5. Jahrhundert v. Chr. keine Hinweise mehr auf die als tartessisch bezeichnete Kultur Südspaniens (siehe unten). Belegbar sind offenbar zwei Tsunamis in frühhistorischer Zeit in diesem Gebiet, die das Mündungsgebiet des Guadalquivir überflutet haben.

Tartessos und Atlantis

Natürlich fehlt auch die Verbindung und Gleichsetzung von Tartesso mit Atlantis im populärwissenschaftlichen Bereich nicht. Aber schon antike Historiker vermuteten, dass der untergegangene Kontinent Atlantis, von dem Platon berichtete, Tartessos gewesen sein könnte.

Ob es das Königreich Tartessos wirklich gegeben hat, lässt sich anhand der unsicheren Quellenlage und ohne Funde nicht eindeutig mit ja beantworten. Nicht auszuschließen ist eine Zivilisation im Südwesten Spaniens, eine Stadt vor 1000 v. Chr. hier existierte, die Metallurgie und Fischfang betrieb, die aber nicht Tartessos hießen. Zumindest gibt es eine Diskrepanz zwischen literarischen Quellen, die vom Königreich Tartessos berichten und tatsächlichen Funden.

Tartessische Kultur

In der modernen Geschichtsschreibung wird die endbronzezeitliche und früheisenzeitliche Kultur Südspaniens, zwischen dem Fluss Guadiana im Westen und Cabo de la Nao im Osten und der Sierra Morena im Norden, als tartessisch bezeichnet. Das Kerngebiet lag im unteren Guadalquivir-Tal. Die Entwicklung dieser Kultur ist von ostmediterranem Einfluss - dem Handel mit Phöniziern, hauptsächlich aus Tyros, der ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar ist - geprägt. Urbane Züge, d.h. strukturierte und befestigte Siedlungen, zeigten sich im 8. Jahrhundert. Im 6. bzw. frühen 5. Jahrhundert v. Chr. bricht die Kultur ab, möglicherweise wurde sie von den Karthagern zerstört, die zuvor die Kolonie Gadir (heute Cádiz) auf einer Insel vor der Guadalquivir-Mündung gegründet hatten.

Archäologe Adolf Schulten und die Suche nach Tartessos

Der deutsche Archäologe Adolf Schulten (geboren 1870, gestorben 1960) grub zwischen 1905 und 1911 im Gebiet von Doñana nach Tartessos, fand dabei aber nur die Ruinen einer eigenständigen Vorgängerkultur aus dem 26. bis 13. Jahrhundert v. Chr. Seinen Traum Tartesso zu finden, konnte Adolf Schulten nicht verwirklichen. 2007 wurden erneut Untersuchungen des Gebiets, auch mit Hilfe von Satellitenbildern unternommen, es scheint Hinweise auf die Überreste einer antiken Stadt in diesem Gebiet zu geben. Auf den Satellitenbildern waren 2004 von einem deutschen Wissenschaftler kreisförmige und rechteckige Figuren entdeckt worden, die Hinweise auf eine antike Stadt geben. Ob es sich hierbei wirklich um das sagenhafte Tartessos handelt? Es könnte sich natürlich auch um Überreste einer Siedlung aus der Römerzeit handeln. Vielleicht hat man das Reich von Tartessos aber nur noch nicht gefunden, weil man an der falschen Stelle nach ihm gesucht hat. Tartessos gehört zumindest noch zu den ungelösten Rätseln der Archäologie.
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